Im Jahr 2022 Jahr wird unsere Mühleisen-Orgel 25 Jahre alt. Zu diesem Anlass wurde sie gereinigt und Verschleißteile wurden ersetzt.Seit dem Herbst 2021 ist der neue Bodenbelag aus Buntsandstein fertig, und wir stellen fest, dass auf diesem ruhigen Untergrund die Eleganz und Schönheit der Orgel noch besser zur Geltung kommt.
Das Reinigen der Orgel bedeutet vor allem ein Reinigen der vielen Orgelpfeifen. Dazu wurde die Orgel sozusagen entkernt: alle Pfeifen wurden ausgebaut und im Kirchenraum platziert. Danach wurde Pfeife für Pfeife von fachkundigen Händen (Fa. Mühleisen) innen und außen gereinigt. Die Metallpfeifen sind sehr dünnwandig und entsprechend empfindlich, was eine sehr sorgsame Handhabung erfordert.
Für die Besucher der Gottesdienste bot sich in den Wochen der Reinigung im Winter 2022 die seltene Gelegenheit, die Innereien unserer Orgel von nahe zu sehen, mit der Vielzahl an großen, kleinen und ganz kleinen Pfeifen, die meisten aus Zinn, manche auch aus Holz. Wenn nichts dazwischenkommt, wird es diese Orgelschau erst wieder in 30 Jahren geben.
Weiterhin wurde eine elektronische Setzeranlage eingebaut, mit der die klangliche Vielfalt des Instruments mit seinen 30 Registern viel besser und virtuoser genutzt werden kann.
Ausgebaute Orgelpfeifen lagern im Kirchenraum
Bisher muss bei unserer Orgel die Organistin oder der Organist die Klangfarbe durch händisches Ziehen der Register mit den Hebeln rechts und links von den Manualen einstellen. Viele Stücke sind so komponiert, dass die klingenden Register während des Stücks mehrfach verändert werden, um den gewünschten musikalischen Eindruck zu erzielen. Bei komplexen Werken steht daher neben dem Organisten auch ein Registrant, der anhand von Eintragungen in den Noten das Ziehen oder Setzen der passenden Register übernimmt.
Holzpfeifen warten auf den Wiedereinbau
Bei einer elektronischen Setzeranlage wird für jedes Register ein Zugmagnet angebracht und mit der entsprechenden Steuerstange verbunden. Die Magnete selbst sind mit einer programmierbaren Steuerung verbunden, mit der man die Magnete und damit die Registerzüge von der „Ein“ in die „Aus“-Position bewegen kann und umgekehrt. Die Magnete und die elektronischen Komponenten wurden von Firma Eisenschmid (Andechs) geliefert, während Fa. Mühleisen die erforderlichen Umbauten an der Orgel und den Einbau der Magnete und der Steuerungstechnik vornahm.
Zugmagnete zum Bewegen einzelner Registerzüge
Man kann nun die erwünschte Auswahl der Register wie gewohnt von Hand vornehmen, und dann die „Setztaste“ drücken, um genau diese Registrierung abzuspeichern. Das kann man für ein Musikstück so oft wiederholen, wie erforderlich. Beim Spielen des Stückes werden die aufeinanderfolgenden Registrierungen über eine Taste abgerufen.
Die Anlage für unsere Orgel wird bis zu 10.000 Registerkombinationen speichern können. Die Taster sind dezent unterhalb der Manuale untergebracht und verändern daher den optischen Gesamteindruck der Orgel nicht. Weitere Schalter (sog. „Pistons“) zur Betätigung mit dem Fuß sind unten vor den Pedalen montiert.
Blick ins Innenleben der Orgel
Die Zuhörer bzw. die Zuschauer werden feststellen, dass sich künftig die Registrierzüge „wie von Zauberhand“ bewegen, wann immer die Organistin oder der Organist eine der Tasten betätigt. Es ist jedoch nach wie vor möglich, die Register der Orgel von Hand zu setzen, so wie bisher. Das ist vor allem für Spieler vorteilhaft, die unsere Orgel nur gelegentlich benutzen, oder für den Fall – wie etwa beim Improvisieren – die Registrierungen nicht alle vorher bekannt sind.
Seit Mitte März 2022 steht die entstaubte und elektronisch aufgerüstete Orgel wieder zur Verfügung und erklingt regelmäßig in Gottesdiensten, bei Taufen und Trauungen. Auch für Orgelkonzerte mit externen Musikern ist unsere Orgel nun noch attraktiver als sie es vorher schon war.
(Text und Bilder: Wolfgang Schmidt)
Geschichte der Mühleisen-Orgel
Die Orgel der Fa. Mühleisen mit 30 Registern wurde im Jahr 1997 installiert
Sie war im Jahr 1991 in der Amtszeit von Pfr. G.-D. Löhr bestellt worden. Zur Finanzierung der neuen großen Orgel hatte die Kirchengemeinde zuvor über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren Spenden eingesammelt. Das nebenstehende Foto zeigt unsere Orgel im Jahr 2015.